Es ernährt täglich Hunderte Millionen Menschen und steht dennoch ganz oben auf der Liste der gefährlichsten Lebensmittel der Welt. Man muss nicht in den exotischen Ecken des Spezialitätenhandels suchen: Dieses Lebensmittel ist in vielen Regionen der Welt ein fester Bestandteil der Ernährung. Und sein Ruf, gelinde gesagt besorgniserregend, ist alles andere als unberechtigt. Was ist also die Wahrheit?
Maniok, ein weltweiter Star und umstrittenes Lebensmittel
Vielleicht kennen Sie Maniokmehl, Tapioka oder knusprige Chips. Maniok ist eine ursprünglich aus Südamerika stammende Pflanze, die heute weltweit angebaut wird. Sie wird jährlich von über 500 Millionen Menschen konsumiert, und weltweit werden Hunderte Millionen Tonnen geerntet.
Man kann sich kaum vorstellen, dass ein so alltägliches Lebensmittel etwas so Beunruhigendes verbergen könnte. Und doch.
Warum wird es als „das tödlichste Lebensmittel der Welt“ bezeichnet?
Maniok enthält von Natur aus cyanogene Glykoside, chemische Verbindungen, die die Pflanze zur Abwehr von Insekten und Tieren produziert. Das Problem? Wird die Pflanze nicht richtig zubereitet, kann sie Cyanid freisetzen. <TAG1> Ja, Sie haben richtig gelesen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt seit Jahren eindringlich vor den Gefahren von Zyanid in der Nahrung. Sie erklärt, dass wiederholter Kontakt mit hohen Dosen Zyanid zu schweren Erkrankungen, darunter Zyanose, führen kann. Diese irreversible Krankheit verursacht eine plötzliche Lähmung der unteren Extremitäten und betrifft vor allem Bevölkerungsgruppen in extrem armen oder von Konflikten betroffenen Gebieten.

Jährlich sterben etwa 200 Menschen nach dem Verzehr von schlecht zubereiteter Maniok. Diese Zahl mag im Vergleich zu 500 Millionen Konsumenten gering erscheinen, rechtfertigt aber dennoch diesen beunruhigenden Spitznamen.
Unter welchen Umständen besteht die größte Gefahr?
Die meisten Katastrophen ereignen sich im Zusammenhang mit Nahrungsmittelknappheit oder bewaffneten Konflikten. In Venezuela beispielsweise aß die Bevölkerung in einer Überlebenssituation mangels Alternativen unverarbeitete Maniok. Bei Ressourcenknappheit werden Vorbereitungsmaßnahmen mitunter verkürzt, wodurch das Risiko steigt.
Die sogenannten „besseren“ Sorten sind die gefährlichsten, insbesondere bei gleichzeitiger proteinarmer Ernährung. Ein besonders riskanter Cocktail selbst für die widerstandsfähigsten Organismen.
Wie kann man Maniok sicher konsumieren?
Gute Nachricht: Richtig zubereitet ist Maniok absolut gesund und sogar nahrhaft! Die Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Durch 24-stündiges Einweichen in Wasser werden die meisten Giftstoffe entfernt. Auch das Kochen trägt wesentlich zum Abbau schädlicher Verbindungen bei.
In Regionen, in denen Maniok ein Grundnahrungsmittel ist, werden diese Zubereitungstechniken von Generation zu Generation weitergegeben. Und mit wachsendem Bewusstsein gehen die Vergiftungsfälle zurück – ein echter Erfolg für die globale öffentliche Gesundheit.
Die Natur bietet manchmal Schätze, für deren Genuss man nur ein wenig Wissen benötigt und die einem vollkommene innere Ruhe schenken.
